hell werden. Die Sonne innerer Heiterkeit muß zuweilen von Seele zu Seele grüßen, dann ist auch im schwierigsten Falle vieles in Ordnung.
Christian Morgenstern
Der rote Faden
Ich versinke in meiner Vergangenheit,
in den ungegangenen Wegen,
in den Gedanken, die Schlingen legen,
drahtig, dünn und hart,
in der Unabänderlichkeit meines Wesens,
in der Sehnsucht der Seele.
Ich finde die Türe nicht.
Überall bricht mich die Erinnerung
und verbietet mir, den Sinn zu finden.
Schon versinke ich auf den Meeresgrund,
werde nicht mehr getragen vom Wasser,
und meine Freunde, die Fische,
leihen mir ihre Kiemen nicht.
Mit aller Kraft
und vielleicht mit der Gewalt
meines Willens, finde ich die Fäden,
die alles mit allem verbinden.
Und dann steige ich wieder auf,
klettere an den Blasen empor,
hinein in das Glück,
in die Luft, die meine Lunge zum zerreissen bringt.
Jetzt will ich meinen Weg suchen und finden,
durch die Schande und das Erbarmen,
durch harten Stein und weiches Fleisch.
Ich knote und knüpfe,
ich stricke und webe die Decke,
die mich bedecken wird.
In den Fasern - wie Rost, wie Blut -
erscheint der rote Faden,
dem ich folgen will,
wie einem Pfeil,
der das Ziel in sich trägt.
© Alexandra Kluxen
Christian Morgenstern
Der rote Faden
Ich versinke in meiner Vergangenheit,
in den ungegangenen Wegen,
in den Gedanken, die Schlingen legen,
drahtig, dünn und hart,
in der Unabänderlichkeit meines Wesens,
in der Sehnsucht der Seele.
Ich finde die Türe nicht.
Überall bricht mich die Erinnerung
und verbietet mir, den Sinn zu finden.
Schon versinke ich auf den Meeresgrund,
werde nicht mehr getragen vom Wasser,
und meine Freunde, die Fische,
leihen mir ihre Kiemen nicht.
Mit aller Kraft
und vielleicht mit der Gewalt
meines Willens, finde ich die Fäden,
die alles mit allem verbinden.
Und dann steige ich wieder auf,
klettere an den Blasen empor,
hinein in das Glück,
in die Luft, die meine Lunge zum zerreissen bringt.
Jetzt will ich meinen Weg suchen und finden,
durch die Schande und das Erbarmen,
durch harten Stein und weiches Fleisch.
Ich knote und knüpfe,
ich stricke und webe die Decke,
die mich bedecken wird.
In den Fasern - wie Rost, wie Blut -
erscheint der rote Faden,
dem ich folgen will,
wie einem Pfeil,
der das Ziel in sich trägt.
© Alexandra Kluxen