Beweglichkeit einzuhauchen.
© Andrea Mira Meneghin
Glück und Unglück wandern miteinander. Im Unglück wird der Mensch erprobt, im Glück der Unmensch.
Gottlieb Moritz Saphir
Die lange Nacht
Nikolaus Lenau, der eigentlich Nikolaus Niembsch hieß, hatte zu seinem Vater zeit seines Lebens ein äußerst gespanntes Verhältnis und das bezieht sich auf eine Geschichte, die er selbst nicht einmal bewußt miterlebt hat.
Es war im Dezember 1802, Nikolaus war vier Monate alt, als seine älteste Schwester Magda-lena schwer erkrankt. Der alte Doktor von Csatåd kommt. Er blickt auf das fiebrige Kind, das ihn mit aufgerissenen, großen Augen mustert. Er fühlt den Puls. Er beklopft die Brust. Dann sieht er die Mutter an - und verläßt schweigend das Zimmer.
Magdalena ist dem Tod geweiht. Der alte Arzt ist mit seiner Kunst am Ende…
"Reite nach Temesvar", fleht seine Mutter, Therese, ihren Mann an. "Reite nach Temesvar! Dort ist ein Arzt, ein berühmter Arzt aus Budapest. Vielleicht kann er noch helfen!"
Die Mutter zieht ihren Umhang fester und setzt sich weinend an das Bett des Kindes. Stunde um Stunde verrinnt. Eine alte Pendeluhr verkündet die Zeit mit dumpfen, metallenen Schlägen. Die Nacht geht dahin. Die Mutter wartet. Sie belauscht jeden Atemzug ihres Kindes.
Sie fühlt die Schläge des langsamer werdenden Herzens. Noch klammert sie sich an die letzte Hoffnung…
Der Arzt müßte längst da sein. Der Morgen graut. Sie eilt zum Fenster, versucht die Dämmerung mit ihren Blicken zu durchdringen. Sie geht zum Bett zurück. Aber sie hört keinen Atem mehr.
Magdalena ist tot.
Draußen vor dem Haus wird‘s plötzlich lebendig. Pferdegetrappel. Zwei Pferde! Was tut es? Sie kommen zu spät.
Zwei Männer pochen an die Tür. Zu spät! Zu spät!
Eine fremde Stimme. Es sind Fremde! Es ist gar nicht ihr Mann, auch nicht der Arzt von Temesvar!
"Wir kommen das Geld holen, Frau Niembsch", sagen sie.
"Welches Geld?"
"Das Geld, das ihr Mann heute Nacht in Temesvar verspielt hat, siebzehntausend Gulden. Da, lesen Sie selbst…"
Da bricht sie zusammen.
Unbekannt
© Andrea Mira Meneghin
Glück und Unglück wandern miteinander. Im Unglück wird der Mensch erprobt, im Glück der Unmensch.
Gottlieb Moritz Saphir
Die lange Nacht
Nikolaus Lenau, der eigentlich Nikolaus Niembsch hieß, hatte zu seinem Vater zeit seines Lebens ein äußerst gespanntes Verhältnis und das bezieht sich auf eine Geschichte, die er selbst nicht einmal bewußt miterlebt hat.
Es war im Dezember 1802, Nikolaus war vier Monate alt, als seine älteste Schwester Magda-lena schwer erkrankt. Der alte Doktor von Csatåd kommt. Er blickt auf das fiebrige Kind, das ihn mit aufgerissenen, großen Augen mustert. Er fühlt den Puls. Er beklopft die Brust. Dann sieht er die Mutter an - und verläßt schweigend das Zimmer.
Magdalena ist dem Tod geweiht. Der alte Arzt ist mit seiner Kunst am Ende…
"Reite nach Temesvar", fleht seine Mutter, Therese, ihren Mann an. "Reite nach Temesvar! Dort ist ein Arzt, ein berühmter Arzt aus Budapest. Vielleicht kann er noch helfen!"
Die Mutter zieht ihren Umhang fester und setzt sich weinend an das Bett des Kindes. Stunde um Stunde verrinnt. Eine alte Pendeluhr verkündet die Zeit mit dumpfen, metallenen Schlägen. Die Nacht geht dahin. Die Mutter wartet. Sie belauscht jeden Atemzug ihres Kindes.
Sie fühlt die Schläge des langsamer werdenden Herzens. Noch klammert sie sich an die letzte Hoffnung…
Der Arzt müßte längst da sein. Der Morgen graut. Sie eilt zum Fenster, versucht die Dämmerung mit ihren Blicken zu durchdringen. Sie geht zum Bett zurück. Aber sie hört keinen Atem mehr.
Magdalena ist tot.
Draußen vor dem Haus wird‘s plötzlich lebendig. Pferdegetrappel. Zwei Pferde! Was tut es? Sie kommen zu spät.
Zwei Männer pochen an die Tür. Zu spät! Zu spät!
Eine fremde Stimme. Es sind Fremde! Es ist gar nicht ihr Mann, auch nicht der Arzt von Temesvar!
"Wir kommen das Geld holen, Frau Niembsch", sagen sie.
"Welches Geld?"
"Das Geld, das ihr Mann heute Nacht in Temesvar verspielt hat, siebzehntausend Gulden. Da, lesen Sie selbst…"
Da bricht sie zusammen.
Unbekannt