er vorwärts schreitet, die Gegenstände andere Gestalten annehmen, als sie von ferne zeigten, und sich gleichsam verwandeln, indem er sich nähert. Besonders geht es mit unseren Wünschen so.
Arthur Schopenhauer
Mädchen-Lied
Gestern, Mädchen, ward ich weise,
gestern ward ich siebzehn Jahr: –
und dem gräulichsten der Greise
Gleich' ich nun – doch nicht auf's Haar!
Gestern kam mir ein Gedanke,
– ein Gedanke? Spott und Hohn!
Kam euch jemals ein Gedanke?
Ein Gefühlchen eher schon!
Selten, daß ein Weib zu denken
wagt, denn alte Weisheit spricht:
– Folgen soll das Weib, nicht lenken;
denkt sie, nun dann folgt sie nicht. –
Was sie noch sagt, glaubt' ich nimmer;
wie ein Floh, so springt's, so sticht's!
– Selten denkt das Frauenzimmer,
denkt es aber, taugt es nichts! –
Alter hergebrachter Weisheit
Meine schönste Reverenz!
Hört jetzt meiner neuen Weisheit
allerneuste Quintessenz!
Gestern sprach's in mir, wie's immer
in mir sprach - nun hört mich an:
„Schöner ist das Frauenzimmer,
Interessanter ist – der Mann!“
Friedrich Wilhelm Nietzsche
Arthur Schopenhauer
Mädchen-Lied
Gestern, Mädchen, ward ich weise,
gestern ward ich siebzehn Jahr: –
und dem gräulichsten der Greise
Gleich' ich nun – doch nicht auf's Haar!
Gestern kam mir ein Gedanke,
– ein Gedanke? Spott und Hohn!
Kam euch jemals ein Gedanke?
Ein Gefühlchen eher schon!
Selten, daß ein Weib zu denken
wagt, denn alte Weisheit spricht:
– Folgen soll das Weib, nicht lenken;
denkt sie, nun dann folgt sie nicht. –
Was sie noch sagt, glaubt' ich nimmer;
wie ein Floh, so springt's, so sticht's!
– Selten denkt das Frauenzimmer,
denkt es aber, taugt es nichts! –
Alter hergebrachter Weisheit
Meine schönste Reverenz!
Hört jetzt meiner neuen Weisheit
allerneuste Quintessenz!
Gestern sprach's in mir, wie's immer
in mir sprach - nun hört mich an:
„Schöner ist das Frauenzimmer,
Interessanter ist – der Mann!“
Friedrich Wilhelm Nietzsche