seine Vorzüge, von welcher Art sie auch seien, und da er sie ihm nicht nehmen kann, so verkleinert er oder leugnet sie, oder sagt gar das Gegenteil. Genieße also, was dir das Glück gegönnt hat, und was du dir erworben hast.
Johann Wolfgang von Goethe
Letzte Liebe
So weiß ich, daß in blauer Ferne
dein Herz in Liebe für mich schlägt,
daß dich bis hoch ins Reich der Sterne
der Sehnsucht Engelsfittich trägt;
so seh ich noch im welken Garten
dich, lächelnder Gedanken voll,
der letzten Rosenknospe warten,
weil sie für mich erblühen soll
Und mag auf unserer Sehnsucht Flammen
hier niedertaun der Reif der Nacht,
mag schonungslos die Welt verdammen
den Traum, der uns so selig macht, –
vergeblich wird sie drohn und schelten:
in Treuen bleib ich dir geeint
und will's dir königlich vergelten,
daß du um mich – um mich geweint.
Da bricht aus winterlichem Schweigen
ein lichter Sonnenblitz hervor,
da lacht auf halbentlaubten Zweigen
ein sommerlicher Rosenflor,
und aus dem fast erstarrten Herzen,
wie einst zur holden Maienzeit,
entspringt ein Strom von Lust und Schmerzen,
ein heißer Quell der Zärtlichkeit.
So mag die Liebe dich behüten,
sie, – die nichts Böses sinnt und sucht –;
wirst atmen mit dem Duft der Blüten
zugleich den Duft der reifen Frucht.
So mag denn gleich der goldnen Sage
von Frühlingsglück und Auferstehn
durch unsrer Jugend Spätherbsttage
der Traum der letzten Liebe gehn.
Clara Müller-Jahnke
Johann Wolfgang von Goethe
Letzte Liebe
So weiß ich, daß in blauer Ferne
dein Herz in Liebe für mich schlägt,
daß dich bis hoch ins Reich der Sterne
der Sehnsucht Engelsfittich trägt;
so seh ich noch im welken Garten
dich, lächelnder Gedanken voll,
der letzten Rosenknospe warten,
weil sie für mich erblühen soll
Und mag auf unserer Sehnsucht Flammen
hier niedertaun der Reif der Nacht,
mag schonungslos die Welt verdammen
den Traum, der uns so selig macht, –
vergeblich wird sie drohn und schelten:
in Treuen bleib ich dir geeint
und will's dir königlich vergelten,
daß du um mich – um mich geweint.
Da bricht aus winterlichem Schweigen
ein lichter Sonnenblitz hervor,
da lacht auf halbentlaubten Zweigen
ein sommerlicher Rosenflor,
und aus dem fast erstarrten Herzen,
wie einst zur holden Maienzeit,
entspringt ein Strom von Lust und Schmerzen,
ein heißer Quell der Zärtlichkeit.
So mag die Liebe dich behüten,
sie, – die nichts Böses sinnt und sucht –;
wirst atmen mit dem Duft der Blüten
zugleich den Duft der reifen Frucht.
So mag denn gleich der goldnen Sage
von Frühlingsglück und Auferstehn
durch unsrer Jugend Spätherbsttage
der Traum der letzten Liebe gehn.
Clara Müller-Jahnke