sondern ihnen immer vollen Ernst entgegenbringen. Bedenke doch, sie sind Erfinder! Sie bekunden sich in ihren Spielen als freie, denkende Geister.
Heinrich Lhotzky
Ludwig XVI., 1771
Der neue Herrscher wird in Reims gekrönt.
Die Glocken läuten. Ein Gefangner stöhnt.
Und Kutschen rollen nach Paris zurück.
Die Hohe Schule wünscht in Ehrfurcht Glück.
Die Knaben singen; ein Erkorner spricht
Begrüßend sein lateinisches Gedicht,
Ein Stipendiat, der, dürftig und verwaist,
An Königs Freitisch Brot und Bildung speist,
Mit fahlem, starrem Auge, blasser Stirn.
Der Große duldets; seine Blicke irrn
Und ruhen träge aus beim letzten Satz.
Er greift ein huldreich Wort aus seinem Schatz,
Sieht an, wirft hin und schiebt mit lässigem Schuh
Dem schüchtern Wartenden den Brocken zu.
Die Lehrer dienern vor und ziehn gewandt
Das Lob, die Gabe, aus des Jünglings Hand,
Des scheuer Name weder tönt noch blinkt
Und morgen flügellos in Alltag sinkt.
" … ein Schüler aus Arras." Der Herrscher führt
Die Rechte unbewußt zum Nacken, spürt
Nichts. Das ist Märchen. Nein. Er hört und nickt
Gleichgültig-gnädig, lächelt ungeschickt:
Ein Mensch mit friedlich dumpfendem Gesicht.
Man nennt ihn König. Seher ward er nicht.
Gertrud Kolmar
Heinrich Lhotzky
Ludwig XVI., 1771
Der neue Herrscher wird in Reims gekrönt.
Die Glocken läuten. Ein Gefangner stöhnt.
Und Kutschen rollen nach Paris zurück.
Die Hohe Schule wünscht in Ehrfurcht Glück.
Die Knaben singen; ein Erkorner spricht
Begrüßend sein lateinisches Gedicht,
Ein Stipendiat, der, dürftig und verwaist,
An Königs Freitisch Brot und Bildung speist,
Mit fahlem, starrem Auge, blasser Stirn.
Der Große duldets; seine Blicke irrn
Und ruhen träge aus beim letzten Satz.
Er greift ein huldreich Wort aus seinem Schatz,
Sieht an, wirft hin und schiebt mit lässigem Schuh
Dem schüchtern Wartenden den Brocken zu.
Die Lehrer dienern vor und ziehn gewandt
Das Lob, die Gabe, aus des Jünglings Hand,
Des scheuer Name weder tönt noch blinkt
Und morgen flügellos in Alltag sinkt.
" … ein Schüler aus Arras." Der Herrscher führt
Die Rechte unbewußt zum Nacken, spürt
Nichts. Das ist Märchen. Nein. Er hört und nickt
Gleichgültig-gnädig, lächelt ungeschickt:
Ein Mensch mit friedlich dumpfendem Gesicht.
Man nennt ihn König. Seher ward er nicht.
Gertrud Kolmar