Übel gequält, doch das Leben nicht wegwerfe, sondern fortfahre, sich immer von Neuem quälen zu lassen. Dazu gibt er dem Menschen die Hoffnung: sie ist in Wahrheit das übelste der Übel, weil sie die Qual der Menschen verlängert.
Friedrich Wilhelm Nietzsche
Die Alte
Im Park, wo die Reichen spazieren,
Auf einer Bank,
Saß eine arme Frau
Müde und krank.
Es gingen und kamen
Geputzte Herren und Damen,
Lachten und plauschten,
Und die seidenen Röcke rauschten.
Die Alte saß, gekrümmt den Rücken,
Und sah ihnen zu mit stummem Nicken –
Ich schritt vorüber, sorglos, fein,
Und meine Schleppe hinterdrein
Fegte über raschelndes Laub
Und wühlte im Staub.
Und die Alte, eifrig und ohne Neid,
Sprach: ""O, das schöne, das reiche Kleid!"
Da stieg in die Wangen mir jähe Glut,
Und plötzlich war mir so eigen zumut,
Und war mir mein reiches Leben leid,
Und war mir, als müßt ich zerreißen mein Kleid,
Als müßt ich auf immer dem Glanz entsagen
Und Elend und Not mit der Alten tragen.
Thekla Lingen
Friedrich Wilhelm Nietzsche
Die Alte
Im Park, wo die Reichen spazieren,
Auf einer Bank,
Saß eine arme Frau
Müde und krank.
Es gingen und kamen
Geputzte Herren und Damen,
Lachten und plauschten,
Und die seidenen Röcke rauschten.
Die Alte saß, gekrümmt den Rücken,
Und sah ihnen zu mit stummem Nicken –
Ich schritt vorüber, sorglos, fein,
Und meine Schleppe hinterdrein
Fegte über raschelndes Laub
Und wühlte im Staub.
Und die Alte, eifrig und ohne Neid,
Sprach: ""O, das schöne, das reiche Kleid!"
Da stieg in die Wangen mir jähe Glut,
Und plötzlich war mir so eigen zumut,
Und war mir mein reiches Leben leid,
Und war mir, als müßt ich zerreißen mein Kleid,
Als müßt ich auf immer dem Glanz entsagen
Und Elend und Not mit der Alten tragen.
Thekla Lingen